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HOLZSKULPTUREN
Die Wurzeln, d.h. der Ursprung meiner Beschäftigung mit Holz
Oberwil im Kelleramt (Aargau), wo ich meine Jugendzeit verbrachte, war damals ein Bauerndorf.
Mein Grossvater väterlicherseits war Bauer und zugleich Bannwart. Er hatte somit die Aufgabe,
für das Wohl der relativ grossen Waldfläche der Gemeinde zu sorgen. Mein Vater hat eine
Schreinerlehre absolviert, allerdings ausgerechnet während der grossen Krisenzeit in den
Dreissigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Dadurch konnte er nicht, wie er sich das
vorgestellt hatte, eine eigene Werkstatt eröffnen. Er wurde Magaziner in einem Zürcher Betrieb.
Mein Elternhaus bestand aus einem gemauerten Wohnteil und einem schopfartigen Anbau aus Holz.
In diesem richtete sich mein Vater eine kleine Werkstatt ein und konnte so gelegentlich ein Möbel anfertigen oder reparieren.
In einer solchen ländlichen Umgebung bekommt man natürlich von selbst eine Beziehung zum Holz.
In besonderer Erinnerung bleibt mir die Mithilfe bei der Arbeit des Wellenmachens im winterlichen Wald.
Es war die günstigste Weise zu Brennholz für den Holzofen zu kommen.
Ob all das bereits Anstoss war, mich 40 bis 50 Jahre später intensiver mit dem Holz zu beschäftigen,
kann ich nicht beurteilen. Sicher hatte ich dadurch einen guten Bezug zum Material Holz und zum Wald.
An ein eigentliches Initialerlebnis kann ich mich nicht erinnern. Wahrscheinlich habe ich irgend einmal
vor etwa 20 Jahren ein Wurzelstück gefunden, das mir wegen seiner Form aufgefallen ist.
Ich habe angefangen, es zu bearbeiten.
Schöne plastische Formen, wie sie in der Natur massenhaft vorkommen, haben mich immer in Bann gezogen:
Steine, Hügel und Berge, Landschaften, Bäume, deren Stämme und Kronen, Wurzeln, Schnee und Eis, Tiere
und Menschen. Ich habe auch immer bewundert, was Künstler aus diesen Gegebenheiten - einerseits als Material,
andererseits als Vorlage - zu gestalten vermochten. Schon immer faszinierte mich die Arbeit des Töpferns,
des Schmiedens, des Giessens und des Bildhauens, und natürlich die aus solcher Arbeit entstandenen Werke.
Wahrscheinlich aus der Freude an schönen Formen kam die Lust, selber Material in solche formen zu bändigen.
Ich habe Versuche gemacht mit Ton, mit Eisen, mit Schnee und bin aber am Holz "hängen" geblieben.
Das Rohmaterial
Wurzeln oder andere Baumteile aus dem Wald, aus Bergbächen und Flüssen, von Seeufern und von Meeresstränden sind
oft Rohmaterialien für Bearbeitungen. Meistens werden daraus Fratzen oder Masken geschnitzt. Dabei wird nur ein
Teil des Rohlings bearbeitet. Für meine "Gebilde" suche ich mit Vorliebe Eichenwurzeln in unseren Wäldern.
Das sind die Reste von Bäumen, die vielleicht vor 20 oder mehr Jahren gefällt worden sind. Durch den
langjährigen Vermoderungsprozess gelockert lassen sich solche Wurzeln relativ leicht aus dem Boden herausheben.
Im Tessin finde ich hie und da die Wurzel einer Edelkastanie. In Kalifornien, wo mein jüngster Sohn lebt, habe
ich am Pazifik in Ansammlungen von Schwemmholz schöne Stücke aus Redwood oder Steineiche gefunden.
Die Bearbeitung
Die Arbeit an meinen "Gebilden" beginnt schon bei meinen Wanderungen durch die Wälder unserer Gegend. Ständig sind meine
Augen am Suchen, und wenn ich ein interessantes Objekt gefunden habe, überprüfe ich es: mit dem Sackmesser entferne ich
die äussere meist faule Schicht. Am Gewicht spüre ich, ob noch genügend gesundes Holz vorhanden ist, so dass sich eine
Bearbeitung lohnt. Die Wurzel muss auch eine Form haben, die sozusagen nach einer Weiterbearbeitung ruft.
Zu Hause säge ich überlange Wurzelteile weg. Mit Hammer und Stechbeitel entferne ich die ungesunden Teile des Holzes.
Erst jetzt kann ich feststellen, ob sich aus dem Fundstück eine interessante Skulptur herausholen lässt.
Es ist ja ein altes Prinzip bei der Bildhauerei, dass man wegnimmt, was nicht nötig ist. Die weitere Bearbeitung
erfolgt mit Raspeln und Schmirgelpapier. Sehr selten verwende ich Maschinen. Allzuleicht schneidet oder schleift man
mit einem solchen Gerät zuviel vom Holz weg und der Schaden ist nicht wieder gut zu machen.
Das Ziel meiner Bearbeitung ist, ein möglichst gesundes Holz freizulegen, die vorhandenen Maserungen wirken zu lassen,
die bestehenden Formen zu vereinfachen und zueinander in eine harmonische Beziehung oder auch Spannung zu bringen.
Dabei muss die Natur des Materials nicht verheimlicht werden, d.h. Risse oder Astspuren müssen nicht unbedingt beseitigt werden.
Freilich ist am Schluss die ursprüngliche Wurzelform meistens nicht mehr zu erkennen.
Die Kieselsteine
Meine ersten Wurzelskulpturen bestanden nur aus Holz. Bei meinen Wanderungen an Flüssen, an Meeresstränden und im Gebirge fand
ich immer wieder Kieselsteine, die mir wegen ihrer Form (schön geschliffen), ihrer Zeichnung, ihrer Farbe auffielen. Einmal
versuchte ich einen solchen Findling in eine Skulptur einzupassen, und ich fand den Effekt interessant. Von diesem Zeitpunkt
an "verpasse" ich den meisten Gebilden einen Stein.
Aus praktischen Gründen müssen diese Steine oft angeleimt werden. Wenn möglich verzichte ich auf diese Massnahme.
Ich meine, dass eine andere Beziehung zum Werk geschaffen werden kann, wenn man den Stein herausheben und seine
Struktur ertasten kann. So sollen auch die liegenden oder stehenden Skulpturen mit den Fingern entdeckt werden.
Die hängenden sollten besser nicht berührt werden.
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